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Jetzt klau‘ ich dir deine Zeit!

Stellenausschreibungen zählen mit zur Außendarstellung von Unternehmen. Dementsprechend werden sie gestaltet. Es ist schon schwierig eine Stellenanzeige zu finden, in der Angestellte auch über schlechte Erfahrungen im Unternehmen oder dem Job reden!

Genauso wie ein Türsteher sich täglich mit betrunkenen Menschen auseinander setzen muss, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ein Klärwerks-Mitarbeiter in stinkende Kanäle muss.

Das ist nun mal der Job!

Wer sich aber vorher über so einen Job informiert, der könnte hier die richtigen Fragen für ein Vorstellungsgespräch haben. Aber eines sei zumindest angemerkt. Wer ohne Fragen kommt und einem sofort alles klar über den Job ist, der sollte sich nicht über eine Absage wundern.

Jetzt geht es um ein Vorstellungsgespräch, wo ich mich über eine Absage nicht wunderte. Die Stellenanzeige war so dürftig, dass mir sofort Fragen durch den Kopf schossen. Diese nahm ich mit ins Vorstellungsgespräch. Im Vorstellungsgespräch selber nahm ich die Fragen aber eher, weil ich einfach mal richtig sauer wurde. Ich klaute meinen Interview-Partnern mit diesen Fragen einfach ihre Zeit. Es war eines dieser Gespräche, wo man innerhalb der ersten zwei Minuten merkte, dass der Funke niemals überspringen wird!

Auf fachlicher Ebene hätten wir alle super zusammen gepasst und wären ein klasse Team gewesen. Aber da war dieses Menschliche. Jeder kennt dieses Gefühl, wenn man einen Raum betritt und dort sitzt eine Person drin, die sofort und unmittelbar unsympathisch ist, ohne jeglichen Grund. Nun komme ich aus dem Vertrieb und ich wurde darauf geschult, dieses Gefühl zu unterdrücken und meine Gesprächspartner als neutral einzustufen. Der Smaltalk lockerte diese Situation für mich ein Wenig.

Dass ich zu Anfrag gleich eine Präsentation halten musste und ein Wenig in mein Element übergehen konnte, legte das Gefühl, dass jemand unsympathisch ist, ab.

Es kam Nervosität auf. Sehr stark. Ich kenne sowas nicht. Der Grund war mir aber klar und meine Forschheit kam mir zuvor. Ich hatte zwei Zuhörer. Einen Vertriebsleiter und seine Assistentin. Die Präsentation machte ich auf einer Videowall und die beiden saßen keine drei Meter von mir über den Tisch entfernt, sodass ich im Stehen ihre Notizen lesen konnte. Nichts Interessantes.

Kästchen ausmalen!

Ja, sie malte tatsächlich Kästchen bzw. die Karos auf ihrem Schreibblock aus. Das fand ich jetzt eher sympatisch. Aber als er gleichzeitig auf seinem Laptop anfing Mails während meiner Präsentation zu beantworten, musste ich eingreifen. Nach nur drei Minuten stellte ich die Frage, ob man noch „geistig“ anwesend sei. Alle machten ja schließlich etwas anderes.  Ich ging damit auch offen um:

„Ja, Herr Sprenger, wir sind noch beide bei Ihnen!“ „Ja, alles gut!“

Es dauerte keine 30sek, da waren beide wieder abwesend. Jetzt griff ich klarer ein:

„Es tut mir Leid, aber dieses Geklackere auf der Tastatur stört mich! Ich stehe nun auch unmittelbar vor Ihnen, wenn Sie fragen haben, dann fragen Sie bitte direkt!“

Ich gab mir nach der Präsentation selber eine 2 als Schulnote. Man nannte mich bescheiden, da ich von allen Kandidaten mit Abstand die beste Präsentation gemacht hätte. Besonders lobte man mein Eingreifen, weil Leute abwesend waren. Ich fand das schon dreist und es war kein Test, das bestätigte man mir noch! Man entschuldigte sich für das Abwesend-Sein.

Alles kaputt nach zwei Minuten.

Nach dieser kurzen Kritik ging es in das eigentlich Gespräch. Der Vertriebsleiter erzählte mir davon, wie er innerhalb von 2 Jahren diesen Betrieb zu einem Rekordumsatz herangezogen hat. Und das Wachstum, welches er erwartet, muss nun mitgetragen werden von einer neuen Vertriebsperson im Außendienst. Man erzählte mir von Vertrauen und Respekt. Man sei in der Region Marktführer geworden. Der Service sei einmalig in der Branche.  Neben seiner beruflichen Laufbahn, die natürlich, laut ihm, absolut erfolgreich lief, gab es ja noch sie. Als Vertriebsassistentin hätte sie einen Job, der Spaß macht und in dem sie ständig Erfolg hätte. Diese Vertriebsfloskeln gingen noch so ziemlich lange weiter. Ich schaltete innerlich ab. Es kamen Diskrepanzen auf:

Die Stellenanzeige sagte aus, dass die Hauptaufgabe in der Kundenbetreuung läge. In dem Monolog des Vertriebsleiter hieß es allerdings:

„Kundenbetreuung gibt es in unserem Geschäft nicht. Wir leben nur von der Kalt-Akquise. Wenn ein Kunde bei uns kauft oder mietet, dann kommt er im Regelfall auf den Innendienst zurück, da bedarf keinen Besuch des Außendienstes! Hier heißt es fleißig sein. 3 Tage telefonieren, 2 Tage die Termine abarbeiten!“

Jetzt klaue ich dir deine Zeit!

Boar, war ich sauer! Ich kochte innerlich! Ich dachte nur:

Ich setzte mich für euch hin, machte eine Präsentation, die Ihr nicht würdigt. Ihr fragt mich noch, ob Ihr Teile davon für eine interne Präsentation verwenden dürft! Ich fahre fast eine Stunde zu euch. Es ist über 30 Grad und ihr lasst mich 15min ohne Wasser in einem nicht klimatisierten Büro warten?!

Wie schnell dieses Gefühl der Unsympathie wieder da war! Ich hatte ja noch meine Fragen und mein Glas Wasser, welches man zwischendurch dann doch noch angeboten bekam, war noch nicht alle! Ich gauckelte also Interesse vor. Ich verstellte mich komplett. Ich wich deren Fragen aus. Beantworte sie nur knapp und kurz. Wies drauf hin, dass ich aber gerne Feedback unmittelbar nach dem Gespräch hätte. Ich wusste, welche Forderung ich stellte. Zwei Menschen, die sich gerne reden hören und keine Gelegenheit auslassen seinem Gegenüber zu zeigen, dass sie durch ihre Erfahrungen und Erfolge die Weisheit mit Löffeln gefressen hätten.

Eigentlich wollte der Vertriebsleiter das Gespräch schon nach 20 Minuten, seine Redezeit ca. 15 Minuten, abbrechen. Ich wollte ihm aber seine Zeit stehlen und bat darum mir noch eine Chance zu geben. Sie nicke. Ich lachte innerlich dreckig vor mir her. Aus diesen 20 Minuten wurden dann über 90. Da ich ein Feedback wollte, unterließ man es nicht gleich nach jeder Frage meine Antwort zu analysieren. Aber Moment, vor mir lang meine Notizmappe! Herrlich, da waren Kästchen zum Ausmalen. Ja, ich bekam ständig Gegenwind, keine Antwort passte denen. Man verstickte sich in eine Station meines Lebenslauf – abgebrochene Ausbildung nach 3 Monaten – über 30 Minuten. Kästchen ausmalen wurde nicht langweilig. Hat jemand gerade was gesagt? Man! Kästchen ausmalen beruhigt aber. Nein, die meinen doch meine Person damit? Ist das lustig solchen Menschen ihre Zeit zu stehlen.

Jetzt kam die beste Kritik von ihr:

„Herr Sprenger, Sie können uns keine klaren Antworten zu Ihren Stationen im Lebenslauf geben. Sie weichen Fragen aus und ziehen ständig die Reißleine im Gespräch. Sowas haben wir noch nicht erlebt. Dabei könnte ich mir gut vorstellen mit Ihnen zusammen zu arbeiten. Wir sitzen hier nun schon lange und Sie haben „irgendwelche“ Fragen mitgebracht. Da hilft es auch nicht ständig Notizen (gedanklich: Das Ausmalen hast du mir beigebracht) zu machen. Sie hätten mal nach einer Pause bitten können und sagen können, dass wir neu starten!“

„Mit dieser Kritik, die ich annehme, möchte ich jetzt auch das Gespräch beenden! Ich glaube, ich habe alles relevante zum Job, zur Firma und zum Team gehört. Danke, dass ich Ihre Zeit klauen durfte!“

Wir standen bereits, um uns die Hand zu geben

„Wie meinen sie das jetzt, Herr Sprenger?“

Ich outete mich nun:

„Wer mir erzählt, dass ich mind. 60% meiner Arbeitszeit mit Telefon-Kalt-Akquise verbringe und diesen Job mit Kundenbetreuung im Außendienst in der Stellenausschreibung beschreibt, dem kann ich nicht glauben. Wenn ich dann noch eine Präsentation halten muss und Sie dabei Mails beantworten, die ich im spiegelnden Fester mitlesen kann, fehlt es mir an Respekt gegenüber meiner schon geleisteten Arbeit. Wenn ich mit meiner zukünftigen Kollegin rede bzw. ihr etwas vorstelle, dann erwarte ich Aufmerksamkeit und keine Ablenkung durch Ausmalen von Kästchen. Was anderes tat ich bei Ihnen auch nicht!“

Nochmals danke, dass ich hier sein durfte, ich werde jetzt fahren!

Gelähmte Gesichter!

Die Stellenausschreibung war nun eine krasse Lüge und hatte nichts mit Außendienst in der Kundenbetreuung zu tun. Hier ging es schlichtweg um Kalt-Akquise! Darum, dass man nach Phoning-Leitfaden telefoniert und Termine besorgt!

Leider höre ich es immer häufiger in der Gruppe, dass unangenehme Hauptaufgaben in Stellenanzeigen nicht genannt werden. Sollten sie genannt werden, werden andere Aufgaben in der Stellenausschreibung als angenehmer und besser herausgestellt. Diese Geschichte dient als Präzedenz, da so vielen Bewerbern schon widerfahren ist, dass es in der Stellenausschreibung um andere Aufgaben geht als im Vorstellungsgespräch besprochen.

 

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Gummibärchen und Kugelschreiber

Vom Jobcenter flatterte eine Einladung ins Haus. Man solle zur einer vom Amt organisierten Zeitarbeitsmesse kommen. Alle großen und kleinen Arbeitsvermittlungen der Region würden sich präsentieren. Man solle die Chance wahrnehmen sich über die Potentiale der Zeitarbeit zu informieren.

Dazu der übliche Sanktionstext mit 10% Kürzung, wenn man nicht kommt.

Egal. Die Fahrtkosten wurden ja übernommen. Und ich nehme jede Chance wahr eine neue und angemessene Arbeit zu finden. Da andere und ich so gewisse Erfahrungen mit Zeitarbeitsfirmen haben, waren meine Erwartungen nicht gerade groß. Aber sie sollten noch untertroffen werden. Am Eingang wurde man sehr nett in Empfang gekommen.

Die Messe war aufgebaut im Kreistagssaal. Schön rund! Allerdings sind politische Säle auch sehr akustikfreundlich. Dementsprechend laut und stickig war es dort. Ich dachte an meine alten Messezeiten zurück und mir taten die Leute aus den Unternehmen sofort Leid, die dort stehen mussten. Ein bis zwei Rollups, ein Tisch davor. Fertig war der Messestand. Ich ging nun herum und versuchte mir einen Eindruck zu verschaffen. Mir war gleich klar, dass es im kaufmännischen Bereich kaum etwas zu finden gäbe.  Dieser Eindruck bestätigte sich auch bei meinem ersten Rundgang.

Was machen Sie denn hier?

Jede Firma hatte etwa um die 20 Stellenausschreibung. Alle im gewerblich-technischen Bereich. Hauptsächlich im Bausektor oder die üblichen Jobs in der Produktion.

Schon wurde ich von vielen Personalen angesprochen. Viele erkannten mich, weil ich dort schon vor Ort war. Gleich klagte mir man auch das Leid. Ja, diese Messe war hauptsächlich gemacht, um Flüchtlingen einen direkten Kontakt zu diesen Unternehmen zu ermöglichen. So alleine ich mit meiner Hautfarbe auch war, war ich auch alleine mit meiner Muttersprache. Dieser Gedanke kam nicht mir, sondern einem Angestellten einer Zeitarbeitsfirma. Aber ich verstand ihn. Wir reden dann weiter über meine Person.

Nach dem Gespräch beobachtete ich eine junge Gruppe Männer mit ihrem Betreuer. Der Betreuer übersetzte die Stellenanzeigen auf Französisch. Jeder nickte kurz oder schüttelte den Kopf, dann begann der Betreuer den Personalbogen der Zeitarbeitsfirma auszufüllen und so ging es von Stand zu Stand. Hier erkannte man auch gleich die schwarzen Schafe unter den Zeitarbeitsfirmen. Viele machten den Flüchtlingen sofort Hoffnung, dass sie sofort Arbeit bekämen auch ohne Deutsch zu sprechen.

Ein anderer Angestellter einer Zeitarbeitsfirma zeigte mir dann auch gleich zwei Mappen. Eine für die, die Deutsch sprachen und eine für die, die kein Deutsch sprachen. Letztere ging zwar in die Datenbanken, aber war auch gleichzeitig die für Absagen. „Normalität“, gab mir der Angestellter der Zeitarbeitsfirma zu verstehen! „Die kommen hier an und füllen nur unsere Personalbogen aus oder lassen sie vom Betreuer ausfüllen. Dann nehmen sie sich noch Gummibärchen und einen Kugelschreiber mit und sind verschwunden!“

Warum bin ich eigentlich hier? Es geht doch um mich!

Ich hatte ja meinen Lebenslauf mehrfach ausgedruckt und auch auf USB-Stick zur Weitergabe dabei. Ein Gespräch entwickelte sich ganz gut. Ich bekam den Tipp mich mal intern bei den Firmen als Personalvermittler zu bewerben. Nun war ich in meinem Element. Gezielt Gespräche führen. Ich ging zum dritten Mal rum und sprach die Leute gezielt auf interne Jobs in den Zeitarbeitsfirmen an. Das klappte besser als erwartet. 10 Lebensläufe wurde ich los ohne auch nur einen der geliebten Personalbögen auszufüllen. Dieses wollte man gar nicht.

„Endlich mal was Vernüftiges nach 3 Stunden Messe“, sagte ein Personaler zu mir. „Das wird was werden. Ich melde mich nächste Woche bei Ihnen!“ Meine Euphorie war natürlich jetzt ungebremst. Ich versuchte es weiter, wurde nochmals 3 Lebensläufe los.  Ich fuhr mit einem guten Gefühl nach Hause.

Eine Woche später kam natürlich kein Anruf. Ich erhielt noch nicht mal eine Absage. Hinterher telefonieren wurde mir zu blöd nach dem ersten Versuch:

„Ich hatte mich direkt bei Ihnen beworben, Herr Schmidt!“

„Ich habe hier keine Bewerbung von Ihnen vorliegen!“ „Ich kann mich nicht an Sie erinnern, nur an viele Schwarze!“

15 Bewerbungen abgegeben. Vorher persönliche Gespräche geführt. Und nie eine Rückmeldung erhalten. Und jetzt fragt man sich, warum die Zeitarbeitsbranche so einen schlechten Ruf hat!

Erwartungen untertroffen!

Zumal: Gummibärchen schmeckten nicht und Kugelschreiber schrieben auch nicht

 

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Toilettenfund

Wo sind Sie auf uns aufmerksam geworden?

Im Scheißhaus!

 

Ja, so könnte eine Fragestellung im Vorstellungsgespräch wirklich klingen. In einer Fußballkneipe in Bremen kam mir nach einem Werder-Spiel diese Stellenanzeige vor die Augen. In der heutigen Recruitierungswelt sind nun keine Grenzen gesetzt. Ich finde es kurios wie kreativ Unternehmen doch sein können.

Von der Seriösität mal ganz zu schweigen, ist auch die Idee einfach wie genial. Hier wird auf dem eigenen Produkt geworben. Und bei oder nach einem Fußballspiel im Kneipenviertel erreicht es bestimmt mehr Menschen als mit so macher Anzeige in der Zeitung.  Übrigens, mit seriös meine ich das typisch versiffte Scheißhaus nach einem Fußball-Bundesliga-Spiel im Bremer Viertel. Ok, in Gegensatz zu Gelsenkirchener Verhältnisse, kann man hier noch auf dem Boden essen. Ach…Fußballfans wissen, was ich meine!

Arbeitgeber-Bewertungsportale und Homepage machen einen sehr guten Eindruck. Natürlich habe ich mir damit auch die Hände abgetrocknet und ich muss sagen:

Gute Produkte!

Ich werde diese Stelle einen Bekannten empfehlen, der auch in der Bewerbung mit ein wenig Witz agieren wird.

 

Kneipe 2

 

 

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Der Du-Trend

Viele Firmen finden einfach kein Fachpersonal mehr – heißt es zumindest. Manche Firmen gehen daher eher neue und innovative Wege, um an Personal zu kommen.

Dieses beginnt schon bei Stellenausschreibungen, die auf diversen Jobbörsen zu finden sind. Die typische Stellenanzeigen sind gegliedert in Firmenvorstellung, Aufgaben und Anforderungen. Vielen Bewerbern ist die Stellenanzeige ziemlich egal, da man eh das Gefühl hat, das bei vielen Jobs nur die Firmenbeschreibung und Adresse ausgetauscht wird.

Bewerbungen schreiben kann dann dementsprechend eintönig werden

Personaler sagen, diese Stellenanzeigen werden nach und nach verschwinden. Besonders, weil das Smartphone immer mehr in den Fokus von Bewerbern rückt, um eine Bewerbung besonders effizient und zeitsparend zu schreiben. Ob das Smartphone in den nächsten fünf Jahren nun eine klassische Stellenausschreibung und die dazugehörige Bewerbung überflüssig macht, bezweifle ich.

Wer sich öfter in Jobbörsen rum treibt, der bekommt auch kuriose Stellenausschreibungen zu sehen. Die Moderne der Arbeitswelt nimmt nicht erst seit heute Einfluss in die Stellenausschreibungen. Viele Arbeitsmarktakteure inklusive Bewerber beschweren sich über die zunehmende Amerikanisierung. Diese Beschwerden sind zurecht. Wenn man auf der einen Seite fordert, dass es kaum noch gutes Personal mit höflichen Umgangsformen auf dem Arbeitsmarkt zu finden gibt, kann man nicht gleichzeitig Stellenausschreibungen mit einer Du-Anrede verfassen.

Bitte! Danke!

Unternehmer und Personaler beschweren sich immer wieder, dass diese einfachen Umgangsformen fehlen. Vielen Bewerbern mangelt es besonders an den sozialen Eigenschaften. Nein, das soll jetzt kein Rausreden werden. Bitte und Danke sind Umgangsformen die keine Toleranz zulassen. Wer die nicht drauf hat, der sollte es gar nicht erst zu einem Vorstellungsgespräch gehen. Dieser Beitrag soll viel mehr drauf zielen wie man seinen Vorgesetzten anreden soll. Viele Stellenausschreibungen von vermeintlich jungen Unternehmen benutzten in ihrer Ansprache nur das Du.

Als Auszubildender, der im ersten Lehrjahr mit der gesamten Azubi-Belegschaft einen Knigge-Kurs bekam, aber nicht, weil wir nicht bitte und danke sagen konnten. Nein, viel mehr, damit wir uns bei künftigen Geschäftsessen nicht in einer Situation befinden, mit der wir nicht überfordert werden würden. Daher frage ich mich – nicht nur im Privatleben-

Was ist aus dem guten alten „Sie“ geworden?

Dieses war Thema in unserer Gruppe. Die Bewerber beschwerten sich, dass sie mit vielen Stellenanzeigen überfordert sind, in der man mit der 2. Singular-Person angeredet wird. Diese Stellenanzeigen findet man zuhauf in den Online-Jobbörsen. Aber wie soll ich jetzt die Bewerbung verfassen? Soll man etwa den zukünftigen Vorgesetzten mit „Du“ anreden?

Grundsätzlich kamen wir dabei zu keiner eindeutigen Antwort. Ein Bewerber erzählte von seinen Erfahrungen. Er frage aufgrund der Du-Anrede in der Stellenanzeige, wie man dieses im Geschäftsalltag behandelt. Man gehe mit dieser Ansprache nur „innovative“ Wege, um mehr Bewerber zu bekommen. Aber grundsätzlich sei das Sie angebracht. Aber im Vorfeld beschwerte sich der Geschäftsführer, dass es immer schwieriger sei, Bewerber mit höflichen Umgangsformen zu bekommen.

 

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Arbeitslos? Sei Weihnachtsmann!

Zu Weihnachten kommen bekanntlich die besten Jobangebote. So sagen jedenfalls viele Bewerber!

Nun erreichte mich am Tag vor Heilig Abend ein Anruf. Eine Handynummer, die ich nicht kannte.

Ich rufte umgehend zurück, es könnte ja ein nettes Jobangebot sein.

Tatsächlich! Ein Jobangebot!

Eine ältere Dame mit typisch sympathischer und langsamer Stimme ging ans Telefon:

„Herr Sprenger, vielen Dank, dass Sie zurückrufen. Es geht auch um nichts Politisches!“

Es rauschte ein Lachen aus mir raus:

„Na, jetzt bin ich aber gespannt, Frau von Höfen!“

„Ja, es geht darum, ich habe gehört, dass Sie zu Weihnachten es möglich machen, dass Sie bei Kindern vorbei kommen und den Weihnachtsmann machen?!“

Ich war sprachlos. Total perplex. Ich wusste nicht so recht, was ich sagen sollte. Ich fand mich leicht lachend, aber sehr schnell wieder:

„Ja, ich habe tatsächlich mal den Weihnachtsmann gemacht, aber das war für einen Informationsstand auf dem Wochenmarkt für die CDU Achim! Da habe ich mir ein Kostüm angezogen und Schokolade an die Kinder verteilt! Das hat mir riesen Spaß gemacht, aber das ist Jahre her, von wem haben sie das denn?“

Die Frau erzählte mir detailliert wie toll sie mein Kostüm damals fand und ob ich nicht wirklich kommen würde. Sie hätte die Information von einem Nachbarn. Der Angel-Kumpel meines besten Kumpels hätte es seiner Frau erzählt, dass ich sowas mal gemacht hätte. Dann könnte ich gleich durch die gesamte Nachbarschaft. Natürlich mit entsprechender Bezahlung!

20€ für jedes liebe Kind und 40€ für jedes böse! SCHERZ!

Sofort ratterte es bei mir Kopf. Aber versucht mal am Tag vor Heilig Abend ein „vernünftiges“ Weihnachtsmann-Kostüm zu bekommen. Diese Filz-Kacke für 9.99€ von diversen Vollsortimentern erschreckt die Kinder ja nur. Mein Kostüm von damals kostete schon um die 150€ und war aus dem Inventar einer Freundin, die Weihnachtsmärkte veranstaltete. Dieses Kostüm wurde dann das letzte Jahr richtig verunstaltet und war absolut nicht mehr zu gebrauchen. Zum Karneval wurde ein Vampir-Weihnachtsmann davon. Ein leicht zerrissenes Kostüm mit Kunstblut drauf. Nicht gerade die beste Phantasie-Bringung für kleine Kinder.

Ich glaube, für nächstes Jahr werde ich mir wieder so ein richtiges Kostüm leihen. In der Nachbarschaft sind so viele Kinder.

Das Einzige, was mich nur wieder aufregte, aber da stehe ich ja drüber!

„Sie sind doch arbeitslos, hätten die Zeit dazu und könnten was nebenbei verdienen!“

Egal, ob arbeitslos oder nicht. Jeder, der in der Nachbarschaft viele Kinder hat, sollte drüber nachdenken einmal im Leben dem Weihnachtsmann zu spielen. Ich kann behaupten, dass es verdammt viel Spaß macht!

Also, in dem Sinne:

Ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest 2017!

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Sex sells!?

In vielen Mangelberufen gibt es unzählige Initiativen, die für Ausbildung, Umschulung oder den Quereinstieg werben.

Lobenswerte Kampagnen fallen oft nicht auf. Die, die ins Auge stechen, sind die schlechten. Und zwar so schlecht, dass

man gar nicht mehr weiß, um welchen Beruf es sich handelt. Vielen ist da die Youtube-Serie „Die Rekruten“ bekannt, eher

eine Verharmlosung des wirklichen Jobs als Soldat. Über die Kosten schweigen wir mal.

Wer es ernst meint Menschen durch Ausbildung oder Umschulung für einen Mangelberuf zu qualifizieren, der zeigt wirklich

wie es im Job läuft. Und ja, man begleitet dort auch einen Kollegen in der Nachtschicht und das am Wochenende, da es Bestandteil sein könnte.

Dazu gehören typische, alltägliche wie spezielle Aufgaben und Referenzen.

Team kennenlernen!

Das ist den meisten Bewerben, die sich für Mangelberufe bewerben wichtig. Wichtiger sind immer noch Verdienst und Soziales.

Jetzt ist mir bei meiner Stellensuche aber etwas ganz Unseriöses über den Weg gekommen. Lokführer

Was sagt dieses Angebot nun aus? Lange überlegt man. Man findet einfach nichts Gutes. Vom Feminismus

mal abgesehen, stellt das Bild doch nun nichts vom Mangelberuf des Lokführers dar. Nach Rücksprache mit einem

aktiven Lokführer wird diese Lok/Baureihe gar nicht mehr eingesetzt.

Werben für Mangelberufe mit „Sex sells!“, das mag auch hier klappen, aber der hat es nicht verdient motivierte und qualifizierte Bewerber zu finden.

Schlimmer wird es, wenn Unternehmer oder Personaler aus diesen Bereichen

von Fachkräftemangel reden.

 

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Du Looser, du…!

Man stelle sich vor:

Männlich. 42. Verheiratet. Einen Sohn (14). Eine Tochter (17). Seit 15 Jahren selbstständig. Jetzt arbeitslos.

Dieser Mann hatte sich kurz nach Bestehen seiner Ausbildung zum Informatikkaufmann selbstständig gemacht.

Schon in der Ausbildung war er im Dorf und auch bald überregional bekannt, um die Computer der „Alten“ zu reparieren.

Jetzt mietete er sich einen kleinen Laden am Rand eines Dorfzentrums. Immer ein paar Computer und Laptos vorrätig.

Dazu die gängigen Peripheriegeräte. Neben dem typischen „Können-Sie-Mir-Mal-Helfen-Service!“ machte er Schulungen für jede Altersklasse im Umgang mit Software und Internet.

Eine Erfolgsgeschichte. Auch privat.

Im Geschäft lernte seine Frau kennen. Sie kam als Kundin. Später half sie auch im Laden aus. Der Laden lief so gut, dass beide sich schnell Eigentum anschafften. Die Kinder kamen. Der Wohlstand wuchs. Die Kinder wuchsen im Laden auf und halfen.

Ein Familienbetrieb wie er im Lehrbuch steht.

Die bittere Wahrheit nach 15 Jahren. Der Laden war nicht mehr zu halten. Preiskämpfe gegen das Internet waren verloren und die Kunden aus dem Dorf kamen auch nicht mehr.

Die Selbstständigkeit war der Tod für ein neues Angestelltenverhältnis.

Zwei Jahre Bewerbungen ohne Erfolg geschrieben.

Zwar mal hin und wieder ein Vorstellungsgespräch, aber kein Vertrag.

15 Jahre lang war er im Familienbetrieb der Entscheider. Zu Hause mussten keine großen Entscheidungen getroffen werden. Wenn die Kinder oder Frau was haben wollte, dann wurde gekauft. Der Erfolg ließ es zu.

Jetzt verdiente sie in einem Bürojob bei einem kleinen Versicherungsbüro das Haupteinkommen. Zwar nicht der gewünschte Job. Nicht der Job, der einem auch privat die Motivation verleiht, aber er brachte Geld!

Sie hatte erhebliche Startschwierigkeiten. Er aber auch. Der Haushalt war nicht so einfach zu stemmen. Abends waren beide geschafft wie nach einem 16-Stunden-Tag im alten Laden. Das erste Jahr war noch voller Motivation, dass beide wieder Arbeit hätten.

Das zweite Jahr ging nach hinten los. Die Kinder waren mit der Weile Teenies und verstanden die Welt nicht mehr. Keine neuen Turnschuhe und Klamotten, nur, weil man sie im Einkaufszentrum sah.

Der Frust wuchs. Auch bei der Frau. Der Wendepunkt im Familienleben musste her. Der Auslöser kam beim Sonntagsbraten. Das Essen stand auf dem Tisch. Man wartete auf den Vater:

„Und wie viele Absagen waren es diese Woche bei Papa, Mama?“ (Tochter, 17!)

„Ich schätze 5 oder 6!“

„Mist! Dann habe ich verloren. Ich dachte, der Looser bekommt mehr!“

Ein Fünf-Euro-Schein wechselte den Besitzer! Der Sohn bekam ihn.

Nicht das erste Mal. Nur was viel mehr schmerzte war, dass die eigene Tochter den Vater aus tiefster Seele heraus einen Looser nannte. Sohn und Frau auch noch dazu. Sie sagten nichts dazu. Sie tolerierten es dem Anschein nach.

Diese Situation war der Wendepunkt. Es gab Gespräche, was die Kinder und die Frau vom Vater wirklich hielten. Innerhalb von ein paar Monaten kippte die Stimmung massiv.

Vom „Beim nächsten Mal wird es bestimmt was!“ zu „Der Looser bekommt schon wieder ne Absage!“

Der neue Name „Looser“ beschrieb den Vater aber schon länger. Er hat sich nur nie was dabei gedacht. Er packte eine Tasche und ging zum Sport. Früher Sponsor der eigenen Mannschaft. Hier klopfte man ihm auf die Schulter und sagte: „Tach, Looser!“

An seiner Spielleistung hatte es weniger gelegen. Zwei Jahre keinen Job. Vorher Chef. Das schürt natürlich Gerüchte. Besonders in einer Sportmannschaft.

Du Looser, du….

Das war mehr als ernst gemeint. Der Mann verkroch sich zwei Tage im Arbeitszimmer.

Nun war er wieder Entscheider. Das Ergebnis der zweitägigen Arbeitszimmerklausur war ein Arbeitsvertrag im 500 km entfernten Dresden bei einen alten Lieferanten. Gut bezahlt. Es gab für das erste halbe Jahr eine Werkswohnung und einen „Kümmerer“, der sich um Haus und Einschulung der Kinder bemühte.

4 Monate später zog man zurück. Die Familie war mega unglücklich. Trotz mehr Geld. Der Vater blieb in Dresden und kam nur am Wochenende wieder.

Lieber Job als Looser!

Dieser Beitrag soll als Beispiel für viele Menschen gelten, denen genau das immer widerfährt. Ständig höre ich bei meinen Gesprächen von Leuten, die in der eigenen Familie oder Freundeskreis als „Looser“ angesehen werden, nur weil sie keinen Job haben oder bekommen. Ganz schlimm trifft es diejenigen, die vorher viel Verantwortung hatten. Diese Menschen kommen dann mit dem sozialen Leben so gar nicht mehr zurecht. Man muss selber darauf achten, wie oft das zu einem gesagt wird, wenn man arbeitslos ist. Es ist schon erschreckend wie viele Menschen anscheinend mit Leuten, die arbeitslos sind, nicht umgehen können.

 

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Cluster

Wer sich mehrmals wöchentlich seine Zeit auf Jobbörsen vertreibt, der fragt sich schon, warum es eigentlich so viele gibt. Bisher bleiben gute Tools aus, die es einem leicht machen bei ca. 2000 deutschsprachigen Jobbörsen aktuelle Jobangebot schnell und einfach zu finden.

Man muss sich eben halt durchwühlen!

Immer wieder werde ich gefragt, welche Jobbörse ich empfehlen kann oder welche zu meinen Favoriten gehört. Eine einfache Antwort:

Die Seriösen!

Woran erkennt man die serösen Jobbörsen? Ein erstes Merkmal sind für mich qualitative Ausschreibungen. Es muss schon deutlich und in einfacher Sprache erkennbar sein bei wem und für was man sich bewirbt.  Hier kann es schwierig sein sich als Laie ein schnelles und sofortiges Bild zu machen. Das beste Merkmal einer seriösen Jobbörse:

FERNSEHWERBUNG

Wenn es ein Unternehmen ernst meint einen qualifizierten Mitarbeiter zu finden, investiert man auch in die Ausschreibung und damit in die Veröffentlichung. Man scheut sich nicht vor Kosten bei den großen Jobportalen wie Stepstone, Jobware, Monster oder XING. Hier sind sich viele Arbeitssuchende und Arbeitgeber einig. Qualitative Ausschreibungen findet man eigentlich nur bei den privaten Jobbörsen. Diese schalten bekanntlich Fernsehwerbung.

Immer wieder berichten mir Arbeitssuchende und Arbeitgeber, dass sie sich vor der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit scheuen. Der Unternehmer bekommt nur Angebote, die einfach nicht passen und der Arbeitssuchende fragt sich, warum kaum ein Unternehmen direkt ausschriebt. Ein Riesenproblem bei der Agentur für Arbeit sind die sog. Cluster-Ausschreibungen. Gerne genommen von Vermittlungsfirmen.

Cluster 1

Sie verbergen nicht nur die ernst gemeinten und wirklich tollen Ausschreibungen. Auffällig ist es, dass alle Ausschreibungen gleich klingen. Und ja, so ist es auch. Hinter solchen Clustern verbirgt sich oft nur ein Job.  Und man wird dabei das Gefühl nicht los, dass große Firmen meinen, sie können den kostenlosen Service des Agentur als Werbung missbrauchen:

Cluster 2

 

Damit hört es nicht auf. Kunden der Agentur bekommen dann auch gleichzeitig auf jede Ausschreibung eine Aufforderung zur Bewerbung. Geile Bürokratie. Fünf Bewerbungen an das selbe Unternehmen für die selbe Stelle!

Für die Transparenz: Ich habe bei den gezeigten Ergebnissen nur den Suchbegriff „Außendienstmitarbeiter“ Raum Bremen benutzt! Ich habe nicht nach einem speziellen Unternehmen gesucht.

 

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Die Ungeduld

Mir berichtet man immer von Vorstellungsgesprächen, wo ein Katalog an Fragen abgearbeitet wird.

Auf den Bewerber trifft eine Flut von Fragen – meist Standardfragen – ein.

Man sollte das Fingerspitzengefühl haben zu erkennen, dass man sich in so einem Gespräch befindet.

Über diese Situation sprach ich mit einer befreundeten Recruiterin.

Ihr Bewerber seid mir zu ungeduldig!

Ja, das stimmt. Wir Bewerber sind ungeduldig. Aber das liegt eher daran, weil sich viele nicht in unsere Lebenssituation rein denken können.

So entstand das Gespräch und es entwickelte sich ein Austausch zwischen einem Bewerber und Recruiter von dem ich hier gerne berichten möchte.

Wir unterhielten uns über einen Artikel im Human Resources Magazin, dass viele Recruiter es Leid sind auf ihre Fragen nur die Antworten zu bekommen, die es im jedem Ratgeber zu den Bewerbungen gibt.

Das Internet ist voll mit dem Standard-Frage-Antwort-Spielchen!

Eine Erkenntnis, die eigentlich so niemanden überraschte. Ich fragte sie, wann sie das letzte Mal ein Job-Interview führte, wo der Hauptteil nicht daraus bestand, dass der Bewerber auf Fragen wie

Warum wollen Sie gerade bei uns arbeiten?

Wo sehen Sie sich in den nächsten fünf Jahren?

Was sind Ihre Stärken und was sind Ihre Schwächen?

antworten musste.

Sie zögerte ein wenig mit der Antwort. Gab mir aber zu verstehen, dass solche Fragen in ein Vorstellungsgespräch gehören. Zumindest ein bis zwei Fragen sind so sicher wie das Amen in der Kirche. Erfolgreich für beide Seiten waren Gespräche, wo der Bewerber anfing wirklich etwas von sich zu erzählen. Auffällig sei nur gewesen, dass dieses immer Personen waren, die nichts zu verlieren hatten. Personen, die nur wechseln mochten, weil sie etwas mehr Gehalt bekämen oder sie durch kürze Wege mehr Freizeit hätten.

Jetzt war man an einem Punkt, wo wir uns darüber unterhielten, dass man es dem Bewerber einfacher machen müsste sich zu präsentieren. Dass der Bewerber wirklich von sich erzählt und nicht mit Floskeln anfängt wie:

Setzte ich erfolgreich um! Steigerte ich die Effizienz! Akquirierte ich Neukunden!

Ja. Ich verstehe die Enttäuschung mancher Personaler, wenn in so eine Person im Vorfeld viel Arbeitskraft gesteckt wurde. Telefoninterviews geführt. Verglichen mit anderen Personen. Einladungen zum Vorstellungsgespräch gemacht etc. und dann kommt sowas!

Um die Ungeduld des Bewerbers zu brechen, kamen wir auf kleinere Ideen.

  1. Eine gute Karriere-Seite im Internet. (Wer im Vorfeld weiß, wie es in einer Firma ablaufen könnte, der erzählt auch mehr von sich)
  2. Interviews finden meistens in ziemlich kargen Besprechungsräumen statt. Warum im Sommer keine Gesprächsecke draußen nutzen oder den kleinen, aber feinen Italiener. Den Bewerber zum Mittagstisch einladen. Völlig andere Atmosphäre.
  3. Nach „Haben Sie gut her gefunden?“ und „Darf ich Ihnen etwas zu trinken anbieten?“ den Bewerber auflockern mit einem Gang durchs Büro. Nett zu erfahren, wie der Bewerber auf etwaige neue Kollegen zugeht.
  4. Den Bewerber den Ort aussuchen lassen! Wahres Beispiel: Unternehmen in Bayern. Vertriebsgebiet Norddeutschland. Erstgespräch im örtlichen Hotel beim Bewerber.
  5. Tipps und Tricks bzw. FAQs zu den Bewerbungsgesprächen der Einladung beifügen. Und ganz klar hinweisen: „Wir wollen Sie kennen lernen! Nicht, ob Sie die Bewerbungsratgeber aus der Buchhandlung auch auswendig oder anwenden können!“

 

 

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Die Stelle bekommen wir nächste Woche wieder rein!

Manche Anrufe sind leicht befremdlich. Besonders befremdlich, wenn sie von privaten Arbeitsvermittlern kommen von denen man noch nie gehört hat. Das Telefonerlebnis war nicht einmalig. Ich hatte es mindestens zum dritten Mal. Leider häufen sich die Berichte von anderen Arbeitssuchenden und sind auch von Arbeitsvermittlern bestätigt. Hier nun ein vor ein paar Tagen geführtes Telefonat.

Klingelei auf dem Handy

(An der Ampel neben mir ein Streifenwagen. Konnte nicht rangehen. Keine Freisprechanlage)

Es wurde mir auf die Mailbox gesprochen:

„Hallo Herr Sprenger, mein Name ist Martin von PersoTheBest (Fake!). Ich würde Ihnen gerne eine Stelle anbieten und habe ein paar Rückfragen zu Ihrem Lebenslauf! Rufen Sie mich doch bitte zurück!“

Zu Hause angekommen, habe ich erstmal die Bewerbung gecheckt. Ich habe mich nie bei so einer Arbeitsvermittlung beworben! Meine Gedanken gingen schon in Richtung XING oder meines Profils bei der Agentur. Rückruf:

„PersoTheBest, mein Name ist Friedrich!“

„Guten Tag, Herr Friedrich, mein Name ist Sprenger aus Achim bei Bremen. Ist der Herr Martin zu sprechen? Er hatte mich versucht zu erreichen!“

„Nein, leider nicht. Der Herr Martin ist gerade im Gespräch!“

„Ah ok, ist es möglich, dass Sie mir die Stelle vorstellen können, die Herr Martin mir vorstellen wollte?“

„Tur mir Leid, Herr Sprenger, ich kann Sie gerade nicht zuordnen. Können Sie in paar Minuten zurück rufen. Herr Martin ist in 10min wieder dort!“

12 Minuten später der Rückruf:

„PersoTheBest, mein Name ist Friedrich!“

„Hallo Herr Friedrich, hier spricht nochmals Herr Sprenger! Ist der Herr Martin jetzt zu erreichen?“

„Ja, ist er! Ich stelle Sie durch!“ „Danke!“

„Martin!“

„Guten Tag, Herr Martin. Mein Name ist Sprenger. Sie hatten mich vorhin versucht zu erreichen. Sie wollten mir eine Stelle anbieten!“

„Ahh ja, guten Tag, Herr Sprenger! Danke für Ihren Rückruf! Die Stelle befindet sich in Bremen. Direkt in der Innenstadt. Es ist als Call-Center-Agent!“

„Ok, danke, für die Vorstellung. Aber ich habe mich weder bei Ihnen beworben noch irgendwo als Call-Center-Agent!“

„Ohh ja, das stimmt. Unsere Muttergesellschaft ist in Dresden, da haben Sie Ihre Bewerbung – ich sehe gerade – als Außendienstmitarbeiter – hin geschickt! Ja, unser System verknüpft den Beruf des Außendienstmitarbeiters mit dem Call-Center-Agent. Beide Berufe haben eine TOTALE Ähnlichkeit. Könnten Sie sich vorstellen als Call-Center-Agent zu arbeiten?“

„Herr Martin, seien Sie mir jetzt nicht böse, aber ich habe mich bei Ihnen als Außendienstmitarbeiter beworben. Das ist eine ganz andere Form des Vertriebs! Ich hoffe, Ihr System

verknüpft keinen Elektriker mit einem Fleischer.

*Grübel. Grübel. Grübel*

„Ok, Herr Sprenger, ab jetzt ist mein Kollege für Sie zuständig! Ich wollte nur mal hören, ob Sie daran Interesse hätten.“

Durchgestelle zum Kollegen.

„Ja, Herr Sprenger. Hier ist nochmal Herr Martin. Mein Kollege sagt mir gerade, dass ich für Sie dann zuständig bin, wenn es um Vergabe der Außendienststellen geht. Ich gehe davon aus, dass Sie Interesse an einem Job als Außendienstmitarbeiter haben.“

Verwirrung!

Gelernt in der Ausbildung: Kunden nie hin und her stellen. Keine Zuständigkeiten vor dem Kunden klären! War hier wohl noch nicht angekommen!

„Ich habe mich bei Ihnen auf eine Stelle aus Außendienstmitarbeiter im Vertrieb beworben. Mit einer „richtigen“ Bewerbung. Ich glaube, das ist erstmal Interesse genug. Können Sie mir jetzt bitte ein wenig etwas über die Stelle erzählen?“

„Also…wir bekommen die Stellen erst nächste Woche rein!“

„Hä? Sind Stellen im Außendienst bei Ihnen wie Lagerware mit Lieferzeit und Bestand?“

Kurzes Gelächter.

„Nein, Herr Sprenger. Ich wollte lediglich nur mal Ihr Interesse abwägen. Wir bekommen die Stellen wie gesagt nächste Woche rein und dann würde ich mich bei Ihnen nochmals melden und die Stelle konkret vorstellen!“

3 Wochen nach dem Gespräch gab es auch keine Google-Einträge mehr zu der Personalagentur!

ANRUF SINNLOS! RÜCKRUF NICHT ZU ERWARTEN!

Man hört immer mehr von diesen Art Personalagenturen. Die es einfach mal versuchen zu vermitteln. Persönlich packe ich sowas, auch wenn die Gespräche menschlich waren und nicht nach Phoning-Leitfaden, in die Schublade unseriös. Ein Heilmittel für solche Anrufe gibt es leider nicht, wenn man auf Jobsuche ist. Viele Arbeitssuchende erleben es häufiger mal einen Anruf zu bekommen mit:

„Darf ich Ihnen eine Stelle vorstellen?“

Was sich genau hinter solchen Anrufen verbirgt, bleibt wohl schleierhaft. Aber, dass es sich häuft, macht sehr nachdenklich!