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Der Burger-Brater-Onkel

In meiner Stadt machte ein Fast-Food-Restaurant auf. Die regionalen Zeitungen waren vor Eröffnung schon voll mit den Stellenanzeigen. Eine Stellenanzeige war für mich besonders interessant.

Restaurantleiter

  • kaufmännische Ausbildung

  • Erfahrung in der Gastronomie

  • Flexibilität – Bereitschaft zu Nachtschichten

  • PKW und Führerschein vorhanden

  • Multi-Kulturelles Verständnis

Eindeutig, das traf mein Profil. So sahen es auch die Personaler, die mich nach Hamburg zum Vorstellungsgespräch einluden.  Das ganze Bewerbungsverfahren war mehr als professionell. In der Stellenanzeige gab es schon mehrere Möglichkeiten wie man seine Bewerbung einreichen darf. Ich machte es bei einem Besuch persönlich. Schon am nächsten Tag erhielt ich eine Mail, dass ich im Bewerbungsverfahren bin, wie lange ich noch die Möglichkeit habe Unterlagen einzureichen, wen ich persönlich anrufen kann und wie lange die Entscheidungsfindung bis zu den Einladungen dauert. Mit einer sehr detaillierten Einladung fuhr ich nun nach Hamburg.

Ein klasse Büro in Top-Lage. Selbst Parkplätze für Gäste waren ausreichend vorhanden.

Das Vorstellungsgespräch hat richtig Spaß gemacht. Nach der obligatorischen Vorstellungsrunde machte man mir klar, dass man mich für das Gesamt-Unternehmen gewinnen möchte und den Umsatz durch mein regionales Netzwerk steigern möchte. Ich wäre der richtige Mensch für Events, Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen im regionalen Einzugsgebiet. Der Deutschlandchef drückte sich so aus:

„Ich habe auch als „BURGER-BRATER-ONKEL“ in meiner Stadt begonnen!“

Mich mit etwas zu identifizieren, zu verkörpern und auch als solches in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden, stellt für mich ja auch eher eine Motivation dar. Also, wo waren die Details, welche mich zur Absage zwangen:

Es ging nach 10 Minuten Vorstellung nicht um ein Restaurant, sondern um zwei bis drei Standorte. Alles mit Privatwagen!!!

Zwischen 70 und 80 Mitarbeiter. Ziemlich kaltes Wasser ohne Führungserfahrung!

Die genaue Erklärung mit Verlauf einer Schulung, dass man für Personalführung nach 3 Monaten in der Lage sei, half da auch nicht so viel. Nach dieser Erklärung wollte man mich weiter motivieren. Man erreichte das Gegenteil:

„Sie sind für den Erfolg zuständig! Damit auch für Ihr Gehalt. Sie werden ganz schnell merken, was es bedeutet, wenn zum Beispiel in der Nachtschicht ein bis zwei Mitarbeiter zu viel sind, das betrifft dann sofort Ihr persönliches Ergebnis und damit Ihr Geld!“

Schon eine Aussage, die mich eigentlich motiviert, aber bei einem Fast-Food-Restaurant bedeutet dieses, selber an der Burger-Station oder der Friteuse zu stehen. Wenn Feiertags-, Wochenend-, und Nachtschichtzuschläge gezahlt werden, kann man sich ja denken, an welchen Tagen die Arbeitskraft am teuersten ist, und man sich selber einsetzten sollte. Es ging weiter mit ehrlichen, aber schon kuriosen Aussagen:

„Unser Stammpersonal besteht aus Studenten und Schülern in diesen Restaurants. Sie gelten als unzuverlässig. Hier ist Ihre Stärke. Sie sind gerade etwas älter und können diese wesentlich besser motivieren. Das größte Problem für unsere Mitarbeiter ist die Erreichbarkeit. In den Gewerbegebieten an den Autobahnen fährt kein ÖPNV!“

Das bedeutet, dass bei Personalmangel der Restraurantleiter sein Team auch mal persönlich abholt? Ein klares „JA“ von beiden Gesprächspartnern.

Bis jetzt hätte ich aber zusagt, aber es kam zu einer Aussage, die den „Burger-Brater-Onkel“ von einer anderen Seite zeigte:

„Wir haben Sie eingeladen, weil Sie das Verständnis für verwaltungstechnische Vorgänge haben. Durch Ihr Riesen-Netzwerk, Herr Sprenger, haben Sie ein sehr ausgeprägtes multi-kulturelles Verständnis und sind in der Lage beides zu verknüpfen. Wir brauchen an diesen Standorten jemanden, der beides verknüpfen kann, um vor allem unsere ausländischen Mitarbeiter mit Arbeitserlaubnissen zu versorgen!“

„Meine Herren, lassen Sie mich bitte kurz zusammenfassen! Ich soll

  1. Personalkosten in den Griff bekommen, indem ich selber zu allgemein unbeliebten Arbeitszeiten in der Küche bzw. Verkauf stehe?
  2. Ich soll Schüler und Studenten motivieren, pünktlich und selbstständig zur Arbeit zu kommen? Wenn nicht, hole ich sie?
  3. Ich soll Ansprechpartner und Helfer für ca. 40 ausländische Mitarbeiter sein, damit sie Arbeitserlaubnisse bei den Ämtern erhalten?
  4. So soll ich mit meinem Privatwagen ca. 3 Standorte im Umkreis von 40 Kilometern betreuen?

Wo bleibt da noch die Zeit den Burger-Brater-Onkel für Öffentlichkeitsarbeit, Events und so zu machen?“

„Sie haben den „BURGER-BRATER-ONKEL“ eigentlich schon sehr gut zusammengefasst!“

Es ging in die Gehaltsverhandlungen. Hier kam man mir mit einem Dienstwagen auf 1%-Regelung entgegen. Allerdings komplett mit Werbung. Nicht schlimm, fand ich, alles okay.

Auf dem Rückweg machte ich Halt an einem der besagten Standorte. Es begrüßte mich freundlichen ein indischer Mitarbeiter auf Englisch. Der türkische Koch sprach seinen Kollegen im Verkauf an:

„Ey, Yeside, dein Burger ist fertig!“

Am Counter neben mir wollte eine Dame einen „Kaffee-Latte“ haben:

„Unser brasilianischer Coffée-Boy macht Ihnen aus cubanischen Bohnen die beste Latte, die Sie in Deutschland kriegen können. Sie müssen bitte nur eben rüber an den anderen Tresen gehen!“

Mein Eindruck war, die haben schon alle ihren Spaß auf der Arbeit und warum sollte ich da nicht reinpassen? Ich sprach mit Freunden und Familie über das Angebot. Zwei Tage später nahm ich es an! Aber warum bin ich jetzt kein Burger-Brater-Onkel geworden?

Weder das Amt noch das Fast-Food-Restaurant selber bekamen es hin mir die Infektionsschutz-Belehrung beim Gesundheitsamt zu zahlen oder nur vorzufinanzieren. Außerdem war die nächste Belehrung erst Wochen später, sodass ich es nicht mehr vor Arbeitsbeginn geschafft hätte! Später anfangen ging aufgrund des Schulungsplan nicht.

 

 

Larne

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