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Passt schon! – 3 Sichtweisen auf Vermittlungsvorschläge

Immer wieder hört man von Arbeitssuchenden, dass sie wahllos mit irgend welchen Vermittlungsvorschlägen vom Arbeitsamt versorgt werden.

In Gesprächen mit Politikern und Verantwortlichen für den Arbeitsmarkt sage ich immer wieder, dass das Arbeitsamt und die regionalen Jobcenter qualifizierter vermitteln müssen.

Ferner ist es für alle Beteiligten einfacher, günstiger und umweltschonender

Ein Vermittlungsvorschlag vom Arbeitsamt besteht in der Regel aus circa drei doppelseitig bedrucken DIN A4 Seiten. Grundsätzlich ist das erstmal gut, da man wirklich sehr viele Informationen über die Stelle erhält. Leider können dort auch viel zu viele Informationen stehen, die einen die Bewerbung echt schwer machen. Viel mehr demotiviert es Menschen, die nach einem Job suchen. Hier ein aktuelles Beispiel:

Englisch verhandls

DIE SICHT DES BEWERBERS

Erstmal klingt diese Stellenanzeige ja gut. Dazu ist das Unternehmen auf kununu.de gut bewertet und es spricht eigentlich nichts gegen eine Bewerbung. Dazu ein 13. Gehalt. Also, wo ist jetzt das Problem für mich als Bewerber?

Die Kirche mal im Dorf lassen

Ich spreche weder ein „verhandlungssicheres Englisch“ noch eine 2. Fremdsprache. Dazu kommt, dass eigentlich keine Erfahrung im Sanitärbereich vorhanden ist. Warum sollte ich mich da jetzt bewerben? Nach Rücksprache mit den Arbeitsvermittlern wird man eigentlich nur ermutigt mit den Worten:

Man kann es ja mal versuchen. Per Mail bewerben kostet doch nichts!

Aber genau hier liegt der Hase im Pfeffer begraben. Der Vermittler schaut hier nicht über den Tellerrand. Wir reden bei den Qualifikationen um ein Jahresgehalt von mind. 35000€ zum Einstieg. Dazu kommt es noch, dass das Unternehmen in der Branche sehr bekannt ist und aufgrund dessen schon viele Bewerbungen bekommt. Ich habe mich bei der Ansprechpartnerin gemeldet:

80 Bewerbungen nach 3 Tagen eingegangen.

Wo ist da jetzt noch die Chance, dass man ohne die genannten Voraussetzungen diese Stelle bekommt? Sie liegt bei gleich 0. Gucken wir weiter über den Tellerrand. Man hat eine Bewerbung geschrieben, obwohl mal weiß, dass man absolut nicht die Qualifikationen vorweisen kann. Man bekommt in jedem Fall eine Absage. Eine Absage führt bei den meistens zu einer Demotivation. Wem ein „Nein“ bzw. eine Absage auf seine Bewerbung motiviert, der sollte echt mal zum Arzt. Es demotiviert! Viele schreiben nach Absagen erstmal gar keine Bewerbungen mehr.

DIE SICHT DES UNTERNEHMERS / HR-MANAGER

Immer wieder hört man von den Unternehmern, ob es wirklich noch qualifiziertes Personal auf dem Arbeitsmarkt gäbe? Sehr wahrscheinlich wird es schon unter den ersten 80 Bewerbungen einen Qualifizierten geben. Der reicht ja auch erstmal. Aber leider heißt das auch, dass er 79 Absagen versenden muss.

79 Absagen = 79 x schlechte Mund-zu-Mund-Propaganda.

Viele davon hervorgerufen durch versandte Vermittlungsvorschläge des Arbeitsamts. Ein Unternehmer meinte mal zu mir, deshalb schreibe er nicht mehr beim Arbeitsamt aus. Er bekäme dadurch nur „unqualifizierte“ Bewerber, die zu Mehrkosten in den Prozessen – durch viele Absagen – führen. Denn man möchte nicht, dass man Menschen, die bei ihm arbeiten möchten, verprelle. Denn als Einzelhändler schreibt man auch gewiss zu Kunden im direkten Einzugsgebiet Absagen. So könnte er mit einer Absage einen Kunden verlieren.

Kostenlos beim Amt ausschreiben = teurer als bei Stepstone oder Tageszeitungen

Teilweise wird das Unternehmen sogar auch noch parallel vom Amt angeschrieben mit dem Vorschlag des Bewerbers. Was für eine Bürokratie!

DIE SICHT DER ARBEITSAGENTUR / ARBEITSVERMITTLER

Der Arbeitsvermittler sitzt in seinem Büro und schaut in sein System, welchen Arbeitslosen er auf welche Stelle vermitteln kann. Er liest die Anforderungen des Unternehmers und denkt sich:

„Passt schon!“

Hauptsache er findet einen Bewerber, ob dieser nun unerlässliche Voraussetzungen erfüllt oder nicht. Der Vermittler kann aber sagen, dass er Vermittlungsvorschläge erarbeitet hat. Arbeitsnachweis geschafften! Leider wird hier aber nicht die Qualität bewertet. Nein, viel mehr schafft er einen ziemlich komplizierten Verwaltungsvorgang. Der Bewerber wird angeschrieben und muss sich zurückmelden. Wenn keine Rückmeldung kommt, kann dem Bewerber das Geld gekürzt werden. Ggf. wird der Unternehmer auch angeschrieben und muss sich zurückmelden. Letztendlich hat sich der Vermittler nur Arbeit gemacht und eine Menge an Kosten erschaffen.

Das was ich hier schreibe, hat mir kürzlich ein Arbeitsvermittler der Bundesagentur für Arbeit geklagt. Er hatte durchaus auch qualifizierte Bewerber, aber für die Stelle, die er vermitteln musste, erstelle er über 20 Vermittlungsvorschläge. Mit Wissen aus Erfahrung, dass es mindestens 18 Absagen und 20 Verwaltungsvorgänge nach sich ziehen wird, die er zu bearbeiten hat.

FAZIT

Würden Ämter qualifizierter und nicht immer quantitativ vermitteln, währen Unternehmer, Arbeitslose und Angestellte in den Ämtern motivierter. Dazu spart es noch eine Menge an Geld und betrachtet man das Papier, welches noch versandt und bedruckt werden muss, schont es definitiv die Umwelt.

Larne

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