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Die Ungeduld

Mir berichtet man immer von Vorstellungsgesprächen, wo ein Katalog an Fragen abgearbeitet wird.

Auf den Bewerber trifft eine Flut von Fragen – meist Standardfragen – ein.

Man sollte das Fingerspitzengefühl haben zu erkennen, dass man sich in so einem Gespräch befindet.

Über diese Situation sprach ich mit einer befreundeten Recruiterin.

Ihr Bewerber seid mir zu ungeduldig!

Ja, das stimmt. Wir Bewerber sind ungeduldig. Aber das liegt eher daran, weil sich viele nicht in unsere Lebenssituation rein denken können.

So entstand das Gespräch und es entwickelte sich ein Austausch zwischen einem Bewerber und Recruiter von dem ich hier gerne berichten möchte.

Wir unterhielten uns über einen Artikel im Human Resources Magazin, dass viele Recruiter es Leid sind auf ihre Fragen nur die Antworten zu bekommen, die es im jedem Ratgeber zu den Bewerbungen gibt.

Das Internet ist voll mit dem Standard-Frage-Antwort-Spielchen!

Eine Erkenntnis, die eigentlich so niemanden überraschte. Ich fragte sie, wann sie das letzte Mal ein Job-Interview führte, wo der Hauptteil nicht daraus bestand, dass der Bewerber auf Fragen wie

Warum wollen Sie gerade bei uns arbeiten?

Wo sehen Sie sich in den nächsten fünf Jahren?

Was sind Ihre Stärken und was sind Ihre Schwächen?

antworten musste.

Sie zögerte ein wenig mit der Antwort. Gab mir aber zu verstehen, dass solche Fragen in ein Vorstellungsgespräch gehören. Zumindest ein bis zwei Fragen sind so sicher wie das Amen in der Kirche. Erfolgreich für beide Seiten waren Gespräche, wo der Bewerber anfing wirklich etwas von sich zu erzählen. Auffällig sei nur gewesen, dass dieses immer Personen waren, die nichts zu verlieren hatten. Personen, die nur wechseln mochten, weil sie etwas mehr Gehalt bekämen oder sie durch kürze Wege mehr Freizeit hätten.

Jetzt war man an einem Punkt, wo wir uns darüber unterhielten, dass man es dem Bewerber einfacher machen müsste sich zu präsentieren. Dass der Bewerber wirklich von sich erzählt und nicht mit Floskeln anfängt wie:

Setzte ich erfolgreich um! Steigerte ich die Effizienz! Akquirierte ich Neukunden!

Ja. Ich verstehe die Enttäuschung mancher Personaler, wenn in so eine Person im Vorfeld viel Arbeitskraft gesteckt wurde. Telefoninterviews geführt. Verglichen mit anderen Personen. Einladungen zum Vorstellungsgespräch gemacht etc. und dann kommt sowas!

Um die Ungeduld des Bewerbers zu brechen, kamen wir auf kleinere Ideen.

  1. Eine gute Karriere-Seite im Internet. (Wer im Vorfeld weiß, wie es in einer Firma ablaufen könnte, der erzählt auch mehr von sich)
  2. Interviews finden meistens in ziemlich kargen Besprechungsräumen statt. Warum im Sommer keine Gesprächsecke draußen nutzen oder den kleinen, aber feinen Italiener. Den Bewerber zum Mittagstisch einladen. Völlig andere Atmosphäre.
  3. Nach „Haben Sie gut her gefunden?“ und „Darf ich Ihnen etwas zu trinken anbieten?“ den Bewerber auflockern mit einem Gang durchs Büro. Nett zu erfahren, wie der Bewerber auf etwaige neue Kollegen zugeht.
  4. Den Bewerber den Ort aussuchen lassen! Wahres Beispiel: Unternehmen in Bayern. Vertriebsgebiet Norddeutschland. Erstgespräch im örtlichen Hotel beim Bewerber.
  5. Tipps und Tricks bzw. FAQs zu den Bewerbungsgesprächen der Einladung beifügen. Und ganz klar hinweisen: „Wir wollen Sie kennen lernen! Nicht, ob Sie die Bewerbungsratgeber aus der Buchhandlung auch auswendig oder anwenden können!“

 

 

Larne

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