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Gummibärchen und Kugelschreiber

Vom Jobcenter flatterte eine Einladung ins Haus. Man solle zur einer vom Amt organisierten Zeitarbeitsmesse kommen. Alle großen und kleinen Arbeitsvermittlungen der Region würden sich präsentieren. Man solle die Chance wahrnehmen sich über die Potentiale der Zeitarbeit zu informieren.

Dazu der übliche Sanktionstext mit 10% Kürzung, wenn man nicht kommt.

Egal. Die Fahrtkosten wurden ja übernommen. Und ich nehme jede Chance wahr eine neue und angemessene Arbeit zu finden. Da andere und ich so gewisse Erfahrungen mit Zeitarbeitsfirmen haben, waren meine Erwartungen nicht gerade groß. Aber sie sollten noch untertroffen werden. Am Eingang wurde man sehr nett in Empfang gekommen.

Die Messe war aufgebaut im Kreistagssaal. Schön rund! Allerdings sind politische Säle auch sehr akustikfreundlich. Dementsprechend laut und stickig war es dort. Ich dachte an meine alten Messezeiten zurück und mir taten die Leute aus den Unternehmen sofort Leid, die dort stehen mussten. Ein bis zwei Rollups, ein Tisch davor. Fertig war der Messestand. Ich ging nun herum und versuchte mir einen Eindruck zu verschaffen. Mir war gleich klar, dass es im kaufmännischen Bereich kaum etwas zu finden gäbe.  Dieser Eindruck bestätigte sich auch bei meinem ersten Rundgang.

Was machen Sie denn hier?

Jede Firma hatte etwa um die 20 Stellenausschreibung. Alle im gewerblich-technischen Bereich. Hauptsächlich im Bausektor oder die üblichen Jobs in der Produktion.

Schon wurde ich von vielen Personalen angesprochen. Viele erkannten mich, weil ich dort schon vor Ort war. Gleich klagte mir man auch das Leid. Ja, diese Messe war hauptsächlich gemacht, um Flüchtlingen einen direkten Kontakt zu diesen Unternehmen zu ermöglichen. So alleine ich mit meiner Hautfarbe auch war, war ich auch alleine mit meiner Muttersprache. Dieser Gedanke kam nicht mir, sondern einem Angestellten einer Zeitarbeitsfirma. Aber ich verstand ihn. Wir reden dann weiter über meine Person.

Nach dem Gespräch beobachtete ich eine junge Gruppe Männer mit ihrem Betreuer. Der Betreuer übersetzte die Stellenanzeigen auf Französisch. Jeder nickte kurz oder schüttelte den Kopf, dann begann der Betreuer den Personalbogen der Zeitarbeitsfirma auszufüllen und so ging es von Stand zu Stand. Hier erkannte man auch gleich die schwarzen Schafe unter den Zeitarbeitsfirmen. Viele machten den Flüchtlingen sofort Hoffnung, dass sie sofort Arbeit bekämen auch ohne Deutsch zu sprechen.

Ein anderer Angestellter einer Zeitarbeitsfirma zeigte mir dann auch gleich zwei Mappen. Eine für die, die Deutsch sprachen und eine für die, die kein Deutsch sprachen. Letztere ging zwar in die Datenbanken, aber war auch gleichzeitig die für Absagen. „Normalität“, gab mir der Angestellter der Zeitarbeitsfirma zu verstehen! „Die kommen hier an und füllen nur unsere Personalbogen aus oder lassen sie vom Betreuer ausfüllen. Dann nehmen sie sich noch Gummibärchen und einen Kugelschreiber mit und sind verschwunden!“

Warum bin ich eigentlich hier? Es geht doch um mich!

Ich hatte ja meinen Lebenslauf mehrfach ausgedruckt und auch auf USB-Stick zur Weitergabe dabei. Ein Gespräch entwickelte sich ganz gut. Ich bekam den Tipp mich mal intern bei den Firmen als Personalvermittler zu bewerben. Nun war ich in meinem Element. Gezielt Gespräche führen. Ich ging zum dritten Mal rum und sprach die Leute gezielt auf interne Jobs in den Zeitarbeitsfirmen an. Das klappte besser als erwartet. 10 Lebensläufe wurde ich los ohne auch nur einen der geliebten Personalbögen auszufüllen. Dieses wollte man gar nicht.

„Endlich mal was Vernüftiges nach 3 Stunden Messe“, sagte ein Personaler zu mir. „Das wird was werden. Ich melde mich nächste Woche bei Ihnen!“ Meine Euphorie war natürlich jetzt ungebremst. Ich versuchte es weiter, wurde nochmals 3 Lebensläufe los.  Ich fuhr mit einem guten Gefühl nach Hause.

Eine Woche später kam natürlich kein Anruf. Ich erhielt noch nicht mal eine Absage. Hinterher telefonieren wurde mir zu blöd nach dem ersten Versuch:

„Ich hatte mich direkt bei Ihnen beworben, Herr Schmidt!“

„Ich habe hier keine Bewerbung von Ihnen vorliegen!“ „Ich kann mich nicht an Sie erinnern, nur an viele Schwarze!“

15 Bewerbungen abgegeben. Vorher persönliche Gespräche geführt. Und nie eine Rückmeldung erhalten. Und jetzt fragt man sich, warum die Zeitarbeitsbranche so einen schlechten Ruf hat!

Erwartungen untertroffen!

Zumal: Gummibärchen schmeckten nicht und Kugelschreiber schrieben auch nicht

 

Larne

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