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Der Mainzel-Männchen „Beschiss-Mob“

New Media ist für viele junge Menschen der Zukunftsmarkt. So dachte ich auch, als ich eine Stellenanzeige las, dass Außendienstmitarbeiter für den Vertrieb von Apps gesucht werden. Das Angebot klang sehr verlockend. Neben den normalen Ausstattungen wie Firmenwagen, Laptop und Handy stand dort:

„Wir würden Sie zum nächsten Monat einstellen – und das unbefristet!“

Geiles Angebot! Bewerbung aufgesetzt!

Ich bekam einen Tag nach Versendung der Bewerbungsunterlagen einen Rückruf. Ein kurzes Gespräch mit dem Chef am Telefon, dann kam die Einladung zum Vorstellungsgespräch. Fast drei Stunden Hinfahrt mit dem Auto. Schickes Büro in grün-weiß in einem Technologiepark. Ein seriöser Eindruck. Schon am Telefon verstanden wir beide uns sehr gut. Er meinte:

„Vertriebler unter sich…!“

Er fing an von seinem Start-Up zu erzählen. Von Januar bis August über 40 Mitarbeiter eingestellt. Der Business-Plan, für 2 Jahre aufgestellt, wurde in den ersten 3 Monaten übertroffen. Jetzt begann die Leier eines übermotivierten Vertriebsleiter und Chef. Er hätte Vertriebsstrukturen für Versicherungen, Software, Computer und Handel aufgebaut. International und national. Er hätte sich jetzt an diesem New-Media-Unternehmen beteiligt, weil er davon überzeugt wäre, dass Apps die Zukunft sind. Das Hin und Her zwischen Deutschland und USA würde nichts mehr für ihn sein. Er hätte deshalb seine Anstellung als Europa-Manager für ein großes Versicherungs- und Softwareunternehmen gegen diese „App-Geschichte“ eingetauscht.

Ich bekam Unterlagen. 15% Provision auf den Umsatz – nicht schlecht.

Ich fragte:

„Woran messen Sie – nach Einarbeitung – meine Arbeit in den ersten 90 Tagen?“

„Diese Firma ist durchgestartet mit einer Gastro-App. Alle Gastronomie-Betriebe stellen sich aus der Umgebung dort vor. Auf den Speisekarten sind die QR-Codes für die App und der Gast wird persönlich mit kleinen Karten angesprochen. Über die App gibt es kleine Rabattaktionen usw.! Diese App sollen Sie für Bremen vertreiben. Sagen wir in den ersten 90 Tagen 10 Kunden werben!“

„Ich soll einem Griechen, Italiener oder Dönerbudenbesitzer eine App für 1500€ plus monatliche Kosten verkaufen?“

Er setze noch einen oben drauf: „Es gibt natürlich noch ein gewisses Detail in unserer Vertriebsstrategie. Sie sagen nicht beim Reingehen von welcher Firma Sie wirklich kommen, sondern, dass Sie von der Bremer-Gastro-App kommen und für den Ladenbesitzer ein Förderprogramm seitens der Stadt bestünde und es nur noch ganz wenige Mittel dafür gebe. Dann verringert sich der Preis um die Hälfte. Tatsächlich bleiben wir bei 1500€!“

Gedanklich drückte ich jetzt den

„Not-Aus-Knopf“

am Eingang des Raums. Vor meinem Gesprächspartner zog assoziativ ein Mob Mainzelmännchen mit Schildern von links nach rechts am Gesicht vorbei. Wer die heute-Show kennt, der kennt diese Mainzelmännchen-Mobs:

„BESCHISS. BESCHISS. BESCHISS“

Zuhause lud ich mir die App für sein Vorzeigeobjekt in NRW runter. Über 30 Downloads im Play-Store und ganze drei Einträge von Gastronomien wovon eine schon wieder geschlossen war. Im App-Store war nichts zu finden.

 

Larne

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