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„Fuck“kräftemangel

Warum sollte ich Sie einstellen, wenn ich zwei Inder günstiger und für eine bessere Qualität bekomme?

Diese Frage wurde einem promovierten IT-Systeminformatiker aus meiner Gruppe gestellt. Der verheiratete 45-jährige Vater von 2 Kindern wurde vor mehr als 2 Jahren entlassen. Das kleine programmierende Büro im Herzen Bremens wurde aufgekauft und verschwand nach Köln. Nach Köln mit schulpflichtigen Kindern zu ziehen, kam für die Eltern nicht infrage. Zumal die Frau sich als Beamtin hätte versetzen lassen müssen und oben drauf eine Eigentumswohnung mit Finanzierung war. Als Doktor der System IT-Informatik müsste er was finden. Er gehört mit seinem Beruf schließlich zu den Mangelberufen.

www.mangelberufe.de

In seiner alten Firma hatte er ein Erfolgseinkommen von über 70000€ p.a. Schnell merkte er, dass dieses Einkommen nicht zu bekommen ist. Seine Bilanz bis zur obigen Frage im Vorstellungsgespräch waren über 150 Bewerbungen zu den verschiedensten Unternehmen:

Zu überqualifiziert. Zu hohe Gehaltsforderungen. Mit 45 nicht mehr zu gebrauchen. Nicht mehr formbar.

Jetzt hatte er endlich ein aussichtsreiches Vorstellungsgespräch nach einem Vorgespräch und einem Tag Assessment-Center. 20 Minuten Arbeitsweg. Beste Arbeitsbedingungen. So müsste es auch das Unternehmen sehen.

Nein. Ihm wurde die obige Frage gestellt. Und diese war äußerst ernst gemeint. Der Mann war so perplex, dass er erstmal nach einer Erläuterung beim Chef fragte:

„Mit der Greencard ist es möglich, dass ich mir zwei promovierte Inder mit einem Gehalt von 32000€ pro Person hole. Die kommen in unseren Firmenwohnungen unter und haben kaum soziale Bedürfnisse. Sie haben Kinder, Frau und Haus, da müssen Sie sich mal drum kümmern. Das geht manchmal zulasten der Arbeit. Ihre Stelle steht mit 70000€ im Plan. Jetzt wird die Stelle gesplittet und es ist unwahrscheinlich, dass beide gleichzeitig krank werden.“

Der Mann stand auf und sagte dem Chef ganz nett ins Gesicht:

„Fuck“…kräftemangel. Dann machen Sie es so. Wenn Sie sich umentscheiden, Sie haben meine Nummer.“

Drei Wochen später unterschrieb der Mann im Bildungswesen. Das Unternehmen schreibt weiterhin aus und wirbt mit Ausbildung in den Mangelberufen.

 

Larne

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