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1/2 Jahr Akkordarbeit mit Nebenbei-Verdienst möglich

Ich traute meinen Augen nicht als ich das gesehen habe. Ja, es steht wirklich in einer Stellenanzeige vom BAMF:

Der Arbeitsplatz ist stark korruptionsgefährdet

Aber man lese die Stellenanzeige nur einen Satz weiter:

Das Angebot ist befristet auf 6 Monate.

BAMF Bremen Stellenausschreibung

Nein, es wird noch besser. Einfach mal schauen, was man alles innerhalb der 6 Monate können muss bzw. sich aneignen soll.

BAMF Bremen Erwartungen

Bei der Fülle an Aufgaben und Kenntnissen sind einige Angestellte im öffentlichen Dienst schon ein halbes Jahr auf Schulung. Mal abgesehen von der Verantwortung (Man entscheidet mit über Menschen! Bleiben ja oder nein!) und der Bezahlung, wird man noch der Gefahr von Bestechung, Korruption und sonstigen Straftaten ausgesetzt. Ein Angebot für ein halbes Jahr arbeiten, befristet. Gut, wer sich da angesprochen fühlt, bitte! Laut BAMF hat man bei den Stellenbesetzungen aber keine Probleme. Andere Frage, was bietet das BAMF eigentlich außer ein halbes Jahr Akkordarbeit?

Wer es richtig macht, der kann innerhalb eines halben Jahres viel nebenbei verdienen *hust*.

Wer sich bewerben möchte, der Link zu gesamten Stellenanzeige:

http://jobboerse.arbeitsagentur.de/vamJB/stellenangeboteFinden.html?execution=e1s4&printable=true&extent%5Bxmin%5D=453534.3399165893&extent%5Bymin%5D=5872057.203279584&extent%5Bxmax%5D=515983.3920255783&extent%5Bymax%5D=5898810.163179395&extent%5BspatialReference%5D%5Bwkid%5D=25832&extent%5BspatialReference%5D%5BlatestWkid%5D=25832

 

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Blackbox geöffnet

Mir wurde mal von der sog. Blackbox berichtet. Jeder Personaler sollte Sie eigentlich kennen, aber der Bewerber meistens nicht. Die Blackbox ist die Phase des ersten visuellen Eindrucks auf das Unternehmen vom Bewerber. Kurz gesagt: Der Weg vom Werkstor/Parkplatz bis zum Raum, in dem das Interview stattfindet. Hier sammelt der Bewerber erste Eindrücke von Unternehmen und trifft beispielsweise am Empfang auf erste potentielle Kollegen.

Sitzt man nun als Bewerber im Vorstellungsgespräch hat man diese Blackbox bereits durchlaufen. Ich öffnete diese Blackbox, da ich gezielt auf den ersten Eindruck des Unternehmens gefragt wurde:

„Herr Sprenger, wie war der erste Eindruck des Unternehmens für Sie?“

Ich erzählte erstmal vom guten Webauftritt und meinem kununu-Check. Auch die Korrespondenz lief sehr professionell und sympathisch. Da das Unternehmen bekannt war, frage ich Freunde und Bekannte, die dieses Unternehmen kannten. Alles gut. Nur das eine Detail gefiel dem einen Personaler nicht so ganz. Es gab in diesem Bürokomplex für alle Unternehmen einen gemeinsamen Empfang:

Tür geht automatisch auf und man tritt zum Empfang:

„Guten Tag. Mein Name ist Sprenger. Ich habe um 10 Uhr einen Vorstellungstermin bei Herrn A, B und C vom Unternehmen XYZ.“

„SIE SEHEN DOCH, DASS SICH DAS UNTERNEHMEN IM ERSTEN STOCK BEFINDET!“

Auch ihre nicht hochblickende und kaugummikauende Grazie von Kollegin ließ mich erkennen, dass ich im Großstadtflair von Dussel…ähh…Düsseldorf angekommen war:

„JA, MAN, EY…Erstes Stock!“

Okay, ich konnte die Unfreundlichkeit beider verstehen. Sie waren unwissend und abgelenkt. Abgelenkt hauptsächlich vom wirklich gut aussehenden Mann mit südländischen Flair im schwarzen Blaumann mit viel zu engem, dünnem, weißem T-Shirt. Sixpacks waren in jedem Fall zu erkennen. Ohne Witz, der Mann erklärte den Frauen…ähh…Grazien, wo und wie man(n) den Windows-Start-Button findet.

„Ok, danke für die Info, meine Damen. Ich gehe dann mal in „DEN ERSTEN STOCK!“

Hätte ich es lieber der Wand gesagt. So begann ich es meinen Interviewern zu erzählen. Der eine Personaler stand jetzt auf und verschwand aufgebracht zum Empfang nach unten. Da die Tür aufblieb, konnte man – ich will es nicht Mitarbeitergespräch nennen, eher Konfliktgespräch, sorry, Konfliktmonolog – sehr gut mithören.

„Das ist jetzt aber auch kein sehr guter erster Eindruck!“

„Ja, Herr Sprenger, da haben Sie recht, dafür entschuldige ich mich schon mal bei Ihnen!“

Drei Tage später kam die Absage. Schade war doch so lustig da.

 

 

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Letzter Ausweg Zeitarbeit – Mythos Fachkräftemangel

Das Märchen vom Fachkräftemangel ist alt. Aber leider ist das Märchen vom Fachkräftemangel im Ingenieurswesen noch älter.

Daher viel zu schade, dass das MDR jetzt erst damit rauskommt.

http://www.mdr.de/mediathek/suche/mediathek-suche–100.html?q=Fachkr%C3%A4ftemangel

Das Märchen vom Fachkräftemangel

Nicht das erste Mal, dass man davon hört. Meine Erfahrungen sind durch viele Branchen immer wieder gleich. Egal, ob Ingenieure, Pflegekräfte, Handwerker, Kaufleute oder Erzieher. Überall ist kein Fachkräftemangel. Eventuell mal regional. Es gibt genug Qualifizierte auf dem Markt. Zwar bekommen Unternehmen nicht mehr so viele Bewerbungen wie früher und können sich die Creme de la Creme aussuchen, aber Bewerbungen kommen. Und man kann als Unternehmen auch gerne mal nachschulen. Bewerber sind dann einverstanden auch weniger zu verdienen.

Aber eine Zeitarbeitsfirma als „Profi“ für Bewerbungsunterlagen von wirklichen Fachkräften zu bezeichnen, ist schon ein wenig lustig. Solche Firmen sind eher froh mal solche Menschen vermitteln zu dürfen.

Ausweg Zeitarbeit

Das ist leider immer mehr der Fall bei den Fachkräften, den Fachkräften, die noch wirklich motiviert sind zu arbeiten. Wer noch mehr Input zum Thema „Mythos Fachkräftemangel“ möchte, dem empfehle ich das Buch von Martin Gaedt.

http://www.amazon.de/Mythos-Fachkr%C3%A4ftemangel-Deutschlands-Arbeitsmarkt-schiefl%C3%A4uft/dp/3527507698/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1460722575&sr=8-1&keywords=mythos+fachkr%C3%A4ftemangel

So sehr ich auch den Experten und Professoren im Beitrag zustimme. Eines jedoch wird leider nicht genannt und das ist derzeit viel wichtiger in meiner jungen Gesellschaft für jeden einzelnen Arbeitstätigen:

Bessere Arbeitsbedingungen. Höhere Löhne sind out.

Es geht viel mehr um bessere Arbeitsbedingungen. Hier geht es nicht nur um mehr Lob und Anerkennung des Vorgesetzten. Nein, ganz im Kommen sind flexible Arbeitszeiten. Viele Fragen sich aufgrund des Internets überhaupt noch, warum sie für 8 Stunden Stammdatenpflege eigentlich noch in die Firma fahren müssen. Homeoffice. Mehr Freizeit und mehr Selbstbestimmung im Berufsalltag, sind mehr wert als überdurchschnittliche Löhne.

 

 

 

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Online-(Zeit)-Portal für Bewerbungen

Wie viele Stunden hat man vor diesen Onlineportalen verbracht?  Nicht nur der Personaler im heutigen Artikel der FAZ hat es so hinter sich. Wie viel Beispiele gefällig?

Der FAZ-Artikel: http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/bewerbungen-schreiben-fuer-traumjob-kostet-zeit-und-nerven-14154231.html

Warum viele Bewerber Online-(die einen Zeit und Nerven rauben)-Portale ungern benutzen, habe ich bereits in meinem Beitrag „Computer sagt: NEIN“ http://arbeitslosenexot.de/?p=35 beschrieben.

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Und was ist bei Krankheit? Gesundheitsmanagement Dienstwagentausch!

Jedes Ratgeberbuch zu Vorstellungsgesprächen würde aussagen:

Diese Frage stellt man in einem Vorstellungsgespräch nicht!

Wer in den Außendienst möchte, kommt meistens um einen Dienstwagen nicht rum. Dieses versuchen einige Firmen auch immer als Motivationsfaktor zu sehen. Nun traf mich echt der Schlag als zu einem Vorstellungsgespräch geladen wurde.

Ich kam in meiner Heimatstadt in ein zentrales Hotel, um ein Gespräch zu führen. Die Firma war ein Unternehmen, welches Werkstattbedarf im Direktvertrieb anbot. Ich wurde schon im Foyer von einem Herren am Stehtisch mit grüner Tischhusse und grüner Krawatte begrüßt. Ich sollte meine Unterschrift leisten, dass ich auch wirklich anwesend war. Ich wurde in einen Raum begleitet.

Abgedunkelt. Sitzreihen in Kinooptik zur Leinwand. Getränke und Snacks zum Selbernehmen. Hellgrüne Deko.

Beeindruckendes CI. Überzeugt. Aber trotzdem ein wenig übertrieben mit grüner Farbe. Es begann eine Präsentation über das Unternehmen, die Produkte und den Job. Die Präsentation bestand aus Videos. Es kamen nicht nur Kunden zu Wort wie toll die Produkte und nett die Mitarbeiter sind, nein, auch die Mitarbeiter und Lieferanten. Aber alles schön in grün!

 Fielmann-Werbung zum Vergleich bitte!!!

Ich schaute auf die Uhr. 20 Minuten waren vergangen. Jetzt muss doch mal etwas Negatives kommen?! Nein! Jetzt kam der Vertriebsleiter und stellte die Verdienstmöglichkeiten vor. Wohlgemerkt, ich war nicht alleine im Raum. Das Kino war zur Hälfte besetzt mit circa 10 Leuten.

Ja. Jetzt kam der Schlag. Diese Folie fehlte wirklich noch. Aber ich musste zwei Mal hinschauen:

Eine Folie mit der Übersicht der Dienstwagen nach Umsatz. Es kann schon mal üblich sein, dass dieses nach Jahresumsatz geht. Aber meine Nachfrage auf die Folie innerhalb der Präsentation kam auch wieder aus mir raus geschossen, da die Folie nicht Jahre, sondern Monate anzeigte:

„Tauschen Sie bei 500 Außendienstmitarbeitern deutschlandweit alle vier Wochen den Dienstwagen?“

„Nein. Nicht ganz. Aber dieses gehört mit zu unserer Motivationssteigerung. Sie fangen bei uns mit einem Golf an. Sollten Sie unter einen gewissen Umsatz kommen, bekommen Sie einen Ford Fiesta. Aber da wir niemanden im ersten halben Jahr haben, der zum Vormonat weniger verdient, kommen Sie sehr schnell zum Passat bzw. Audi A4. Bei gleichbleibenden Umsatz behalten Sie Ihr Auto.“

Es folgte eine Frage aus den Ratgebern, die man nie stellen sollte:

„Und was ist bei Krankheit?“

Sehen Sie einfach zu, dass Sie gesund bleiben! Die Vertriebstagungen in der Zentrale sind alle 4 Wochen. Spätestens dann bekommen Sie ein neues Auto.

TOLLES MOTIVATIONSMODELL

Die Farbe grün steht doch für Gesundheit und Kraft?! Aber das wurde mir zu grün. Zu einem weiteren Termin kam es dann auch nicht seitens des Unternehmens.

 

 

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Drucker fehlt – Amt unterfinanziert?

Bitte ausdrucken

In der Gruppe habe ich es schon schon öfter sagen müssen.

Wenn man Geld vom Staat bekommt, muss man sich auf Spielregeln einlassen.

Telefonanrufe oder persönliches Erscheinen nützt dort oft nicht viel. In den meisten Fällen sollte man schreiben.

 Anträge verfassen!!! Egal, wie „pillepalle“ es auch ist.

Der aktuelle Fall ist allerdings echt zum Mäusemelken. Hier geht es auch noch um Geld, welches man zum Leben wirklich braucht.

Da braucht das Amt natürlich – auch verständlich – Nachweise. Die schickt man doch gerne. Jetzt werden diese Nachweise eingescannt und losgeschickt, um diese ggf. auch weiterzuleiten. Damit erspart man sich Post und die Verwaltung/Amt sich damit eigentlich die gesamte Postbearbeitung etc. Jetzt kommt die Antwort:

Bitte ausdrucken

 

Hiermit kann man schon verstehen wieso einige Menschen mit dem Amt auf Kriegsfuß stehen. Es frustriert, wenn sowas zurückkommt. Man wird dort als Kunde bezeichnet. Aber ist das wirklich Kundenorientierung? Egal, wie der Kunde getrietzt wird oder nicht. Für mich ist das einfach nur eine Verschwendung von Ressourcen in der Verwaltung.

Kostenbewusstsein? Was ist das?

Viel mehr frage ich mich aber, ob die Verwaltung wirklich keinen einsatzfähigen Drucker hat.

 

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Falaffel und einen neuen Angestellten, bitte!

Der Besuch in einem Dönerladen ließ mich erstaunt eine Nacht verbringen. Es kann doch ziemlich leicht sein den passenden Angestellten zu finden.

Ich saß dort nun bei meinem Dönerteller mit Pommes. Den Laden betrat ein Mann und er begrüßte die Besitzerin:

„Hallo Schwester! Hast du Falaffel für mich?“

Beide setzen sich an einen Tisch und tauschten ihre Herstellungsweisen für einen typischen Döner aus.

Primär ging es dabei um die Eröffnung eines neuen Ladens.

Aber jetzt fehlten dem „Bruder“ zur Eröffnungsparty noch Angestellte.

„Kein Problem!“, sagte die Schwester. „Ich schick dir Armir! Der ist zwar ein bisschen langsam, aber zuverlässig!“

„Gut, Schwester, der war gerade bei mir, ich wollte nur wissen, was du von ihm denkst, ich nehme ihn dann!

Jetzt brauch ich nur noch deine Falaffel. Meine Frau wird die nicht rechtzeitig fertig bekommen!“

„Wenn du mir Armir abnimmst, bekommst du die Falaffel unter Geschwistern!“

WENN DEALS/VERTRÄGE IM ARBEITSLEBEN DOCH IMMER SO EINFACH WÄREN.

 

 

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Wie schafft man als Arbeitsloser Arbeitsplätze?

KOMMUNALPOLITIK

Ja. Das ist die Antwort auf die Frage wie man Arbeitsplätze als Arbeitsloser schafft. Geh in die Kommunalpolitik!

Das ist ein Grund, warum meine Arbeitsvermittlerin mich immer Arbeitslosenexot nannte. Man hat eigentlich ständig in der Kommunalpolitik mit Planungs- und Baurecht zu tun. Hier geht es um Erweiterungen von Gewerbegebieten, einzelnen Unternehmen oder die Neuschaffung von Gewerbegebieten. Auch, wenn die Gewerbegebiete verkauft werden, werden wir als Ratsherren natürlich gefragt und müssen zustimmen, ablehnen oder uns enthalten, um nur einige Beispiele zu nennen. Sie sagte immer, dass ich dieser exotische Kunde sei, der mehr Arbeitsplätze schafft als sie vermitteln könne.

Es ging bei uns um den Neubau einer Logistikhalle mit über 80000qm. Das soll laut Investor bis zu

400 neue Arbeitsplätze

schaffen. Jetzt könnte man mir Eigennutzen vorwerfen, aber nein, danke. Die Logistik ist nicht meine Zielbranche. Es ist aber schon ein beklemmendes Gefühl ständig mit diesen Themen konfrontiert zu sein.

Ferner geht es darum, ob wir investieren und eine neue Autobahnabfahrt schaffen. Zwar als Verkehrsentlastung, aber um diese zu finanzieren, fällt ein Gewerbegebiet direkt am Bremer Kreuz ab.

 Im Best Case bis zu 3800 neue Arbeitsplätze

Als Arbeitsloser, der auch motiviert nach Arbeit sucht und nichts findet, ist das schon ein beklemmendes, aber eher unbeschreibliches Gefühl für sowas die Hand zu heben. Natürlich stellt man sich auch in meiner Situation die Frage, ob da mal für einen selber etwas abfällt. Zu der Zeit, wo ich noch in Lohn und Brot war, habe ich diesen Vorhaben aus tiefster Überzeugung zugestimmt.

Viel mehr freut mich aber nach der Zustimmung zu einer Unternehmenserweiterung, dass ein Mitglied aus der Gruppe dort einen neuen Job gefunden hat.

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„Einen Moment bitte!“ – Die Aufschreiberin

Ich traute meinen Augen und Ohren nicht als ich das sah und hörte.

Auf einer politischen Veranstaltung bat mich ein Freund zur Seite und zeigte mir aus dem Personalbereich ein Video.

Das Vorstellungsgespräch für die eine Stelle in der obersten Verwaltungsebene wurde aufgenommen,

um es damit jedem Ratsmitglied zugänglich zu machen. Erstmal fand ich das schon kurios. Aber da die Ortsverwaltung nur 10 Ratsfrauen und -herren hatte, kann man sowas auch jedem zur Verfügung stellen. Außerdem wurde das Video nur mit Einverständnis des Bewerbers und der Verpflichtung nach vorheriger Übermittlung an den Bewerber den Ratsmitgliedern zugänglich gemacht. So hat der Bewerber die Chance gehabt sich selber zu sehen und selber zu beurteilen. Wer schon mal an Kommunikationstrainings teilgenommen hat, der weiß, wie sinnvoll die Kamera sein kann, um sich selbst zu verbessern. Beim Sport ist es mit den Videoanalysen nichts anderes.

Nun zum Thema.

Eine Frau Ende 30 betrat den Raum.

Es wurde sich begrüßt und sie sagte sofort, dass, wenn man sie nicht verstünde (allerdings kein Akzent) es dran läge, dass sie erst vor 3 Jahren nach Deutschland gezogen sei, um Ihren deutschen Freund zu heiraten. Ihre Wurzeln lägen in Polen. Sie hätte aber in den drei Jahren gearbeitet und nebenbei ihr internationales Studium in Recht- und Verwaltungslehre über eine Fernuni in Polen beendet. All ihre Abschlüsse auch der Master seien den deutschen Abschlüssen gegenüber gleichwertig. Die Frau setze sich, klappe ihre Mappe auf und wurde gefragt:

„Haben`sch gut hergefunne?“

„Einen Moment bitte!“ Sie schrieb etwas auf. „Bitte entschuldigen Sie, Sie meinen, ob ich gut hergefunden habe?!“

„Ja, wir wollen doch hoffen, dass Ihnen auf der Reise hierher nichts widerfahren ist?!“

„Ja, danke der Nachfrage, ich habe sehr gut hergefunden, ich habe nur lediglich Ihren Dialekt nicht verstanden! Dementsprechend werde ich mir heute noch weitere Fragen von Ihnen notieren bevor ich antworte!“

„Woher kennen Sie unseren Ort? Waren Sie vielleicht schon mal hier? Haben Sie irgend welche Beziehungen zu unserem Ort?“

„Einen Moment bitte!“ Es wurde geschrieben! Es wurde überlegt!

„Ja, mein Mann arbeitet bei der hiesigen Tischlerei. Mein Sohn geht in Ihren Kindergarten und wir wohnen im Nachbarort. Haben gerade neu gebaut!“

„Ohh, das ist ja toll. Dann sind Sie ja schon richtig mit uns verbunden!“ „Ja, Heinrich, steht doch im Lebenslauf!“ (Interviewer waren zwei hohe Verwaltungsbeamte und eine Frau)

„Einen Moment, bitte!“ Es wurde geschrieben! Es wurde überlegt!

„War das jetzt eine Frage zu meinem Lebenslauf oder meiner Bewerbung, um zu wissen, wo das steht?!“

„Nein, alles gut! Nur ein Zwischenruf von mir! Lassen Sie uns weitermachen!“

Langsam ließ es mit dem Aufschreiben nach und es wurde auch mal direkt geantwortet. Aber jetzt wurden die gewissen Fragen gestellt:

„Warum wollen Sie bei uns arbeiten? Warum sollen wir Sie einstellen? In welcher Traifgruppe sehen Sie sich? Wo sehen sich in fünf Jahren?“

Bei jeder dieser wichtigen Fragen:

„Einen Moment, bitte!“ Es wurde geschrieben! Es wurde überlegt!

Es wurde aber auch immer souverän geantwortet. Das Vorstellungsgespräch war mehr als professionell von beiden Seiten. Meine Frage an meinen Parteifreund: „Die habt ihr eingestellt, oder?“

„Klar, wozu die beiden Herren über ein halbes Jahr brauchten, hat sie 14 Tage gebraucht! Bereits im September, sonst immer Dezember, haben wir den neuen Haushalt verabschiedet mit 10% Einsparungen, die niemanden jucken!“

 

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Handelsware Mensch

„Wir haben uns einstimmig dafür entschieden, Sie nicht einzustellen. Ihre Fachlichkeit und Menschlichkeit passt hervorragend zu uns, aber wir sind dennoch der Meinung, dass Sie zu viel denken anstatt zu machen!“

Ich bin zu einem Vorstellungsgespräch einen gesamten Tag unterwegs gewesen. Gesamtstrecke rund 650 Kilometer. Im Vorstellungsgespräch merkte ich bereits eine Abwesenheit eines der drei Interviewer. Mit starrem Blickkontakt oder der Aufforderung, dass er eine  Frage vielleicht mal beantworten könnte, blieb er in seiner Müdigkeit und Langeweile stecken. Die dritte Tasse Kaffee half wohl auch nicht mehr.
Ich wusste gleich, dass ich diesen Menschen nicht überzeugt habe. Drei Tage später bekam ich eine Standard-Absage. Aber durch mein Bitten hin im Vorstellungsgespräch mir telefonisch den wahren Grund bei Ablehnung mitzuteilen, bekam ich die obige Begründung mit einem Anruf genannt.

„Handelsware Mensch!“

Hierzu gibt es einen passenden wissenschaftlichen Artikel:

http://www.humanresourcesmanager.de/ressorts/artikel/der-ideale-mitarbeiterxxx-1999010363

Unternehmen sind heutzutage teils so detailliert durchsystematisiert, dass man schon fast von einer Überorganisation sprechen kann. Hier passt eben halt nur der Mensch rein, der alle Kriterien bereits erfüllt. Wie oft bin ich bei meinen Recherchen zu meinen Ablehnungsgründen schon auf das dumpfe Beispiel gekommen:

„Sie haben keine Kenntnisse oder Zertifikate im SAP!“

Jeder Unternehmer weiß eigentlich wie teuer es ist einen Mitarbeiter auf die gewünschte Effizienz im SAP zu schulen. Darum tuen sich auch viele Jobcenter schwer den vielen kaufmännischen Arbeitslosen SAP-Schulungen zu geben. Hier wird aber auch die Handelsware Mensch deutlich. Viele Arbeitslose in meiner Gruppe berichten mir davon, sie würden gerne SAP nachgeschult bekommen, aber auf der anderen Seite habe ich mindestens genau so viele Stimmen, die sagen, dass sie ihren Job aufgeben mussten, weil ihr tägliches Handeln auf irgend ein Waren-Wirtschaftssystem komplett beschränkt war. Selber habe ich es in der Ausbildung kennengelernt, dass das ständige starren auf die selbe Bildschirmoberfläche mit den immer sich wiederholenden Tastenanschlägen schon rammdösig machen kann. Eben halt das Füttern des WWS. Aber ohne dem läuft es nicht. Was soll man ändern? Da viele Unternehmen hier nicht kreativ sind, kann es nur die Antwort geben:

„Handelsware Mensch!“